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Johannes Lingelbach

Zeichner, Maler, Radierer, Grafiker, Landschaftsmaler und Aquarellmaler

Geboren
1622 in Frankfurt am Main
Gestorben
1674 in Amsterdam

Biografie

Getauft am 10. Oktober 1622 in Frankfurt a. M. als sechstes Kind des Schneiders David Lingelbach von Eckershausen (?-1673) und der Agnes Kunckel. Spätestens 1634 zog der Vater zumindest mit einem Teil der Familie aus unbekannten Gründen nach Amsterdam, wo er am 1. November für seinen ältesten Sohn Philips einen Lehrvertrag mit einem Schlosser und Uhrmacher abschloss. Von 1636 an bewirtete er den „Ouden Doolhof“, eine Vergnügungsstätte mit Wasserspielen und astronomischen Geräten, die gegenüber dem späteren Sterbehaus Rembrandts in der Rozengracht lag. Nach dem Kauf einiger Grundstücke eröffnete er dort 1648 den „Nieuwe Doolhof“. Über die Ausbildung von Johannes Lingelbach geben die Quellen keine Auskunft. Houbraken zufolge ging er 1642 von Amsterdam nach Frankreich, wo er sich zwei Jahre aufgehalten habe, um dann nach Rom weiterzuziehen. Der Maler und Zeichner Jan Worst, von dem nur wenige Zeichnungen bekannt sind, soll ihn damals begleitet haben. Am 23. November 1644 verfolgte er möglicherweise die Prozession des neu gewählten Papstes Innozenz X. vom Lateran zum Kapitel, die er später zum Gegenstand eines Gemäldes machte (Amsterdam, Rijksmuseum). In den römischen Parochialarchiven ist er von 1647 bis 1649 nachgewiesen. Nach Houbraken trat er am 8. Mai 1650 seine Rückreise über Deutschland an und erreichte im Juni Amsterdam. Am 26. April 1653 verlobte er sich dort mit Tietje Hendrix Boussi, Tochter des Schlossers Hendrick Hendricks. Als sein Wohnort wird in der betreffenden Akte abermals die Rozengracht angegeben. Am 31. Oktober erwarb er das Bürgerrecht der Stadt. Am 9. Dezember 1653 wurde eine Tochter Sophie als das erste von neun Kindern getauft. Am 18. September 1662 erwarb er von dem Maler Jan Blom ein Haus in der Reestraat für 6.600 Gulden. Am 7. Dezember desselben Jahres bot er als Zwischenhändler erfolglos ein „Ecce Homo"-Bild Tizians für 1.100 Gulden an. Dass er auch Lehrlinge ausbildete, belegt ein Vertrag vom 1. April 1670 mit Isaak Croonenbergh, der sich nach einem Dreivierteljahr mit ihm überwarf und die Werkstatt verließ. 1672 war er neben anderen Malern Sachverständiger in dem Streit um die Echtheit von dreizehn italienischen Gemälden, die der Amsterdamer Kunsthändler Gerrit Uylenburgh dem Großen Kurfürsten zum Verkauf angeboten hatte. Für den 200. Pfennig des Jahres 1674 wurde er mit 27 Gulden belastet, was zeigt, dass er ein gewisses Vermögen besaß. Am 3. November dieses Jahres wurde er in der „Oude Luthersche Kerk“ begraben.

Obwohl aus Frankfurt gebürtig, wird Lingelbach der holländischen Malerschule, und zwar genauer hier den führenden Persönlichkeiten der zweiten Generation der Italianisanten, zugerechnet. Man kennt vor allem seine vielfigurigen römischen Veduten sowie reich staffierten exotischen Häfen. Daneben stellte er bisweilen auch zeitgenössische Ereignisse und Schlachten dar. Staffierte Landschaften und kleinformatige „Bambocciaden" mit drei bis vier Figuren bilden eigene Gruppen in seinem Œuvre. Er verdankte Pietervan Laer (1592/95-1642) für seine frühe Figurenmalerei, Jan Baptist Weenix (1621-um 1658/59) für seine Hafenbilder und Philips Wouwerman (1619-1668) für seine späteren Landschaften wichtige Impulse. Er ist auch als Zeichner und Radierer greifbar. In einigen Bildern von Jan van der Heyden, Jan Wijnants und Frederick de Moucheron wird ihm die Staffage zugeschrieben.

6 Werke von Johannes Lingelbach