Berliner Straßenszene, Ernst Ludwig Kirchner
Ernst Ludwig Kirchner
Berliner Straßenszene
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Ernst Ludwig Kirchner 1880 – 1938

Berliner Straßenszene, 1914


Maße
677 x 503 mm
Äußere Beschreibung
Pastellkreiden und Kohle auf beigem geripptem Büttenpapier
Inventarnummer
16069 Z
Erwerbung
Erworben 1948 als Vermächtnis von Dr. Carl Hagemann an das Städelsche Kunstinstitut, Frankfurt am Main
Status
Kann im Studiensaal der Graphischen Sammlung vorgelegt werden (besondere Öffnungszeiten)

Texte

Über das Werk

Als das »Brücke«-Mitglied Ernst Ludwig Kirchner 1911 von Dresden nach Berlin übersiedelte, wurde das Leben der modernen Großstadt zu einem zentralen Thema seiner Werke, die heute zu den Höhepunkten seines künstlerischen Schaffens zählen. Das Pastell der Berliner Straßenszene gehört in den gedanklichen Zusammenhang vieler Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphiken, in denen der Künstler das hektische Treiben auf den Straßen und Plätzen der Hauptstadt thematisierte und stets den Besonderheiten der jeweiligen Technik entsprechend umsetzte.
Den Vordergrund der Szene beherrscht ein Gefüge aus drei überlängten Figuren, das die gesamte Höhe der Bildfläche einnimmt: Mit dynamischen, raschen Strichen charakterisiert Kirchner einen in Hut und Mantel gekleideten Mann und zwei mondän angezogene Frauen. Bereits ihre Aufmachung, Federhüte, der übermächtige Kragen des Kostüms und hochhackiges Schuhwerk, verleiht ihnen ein auffälliges Aussehen. Ihr Posieren und ihre die Umgebung aufmerksam registrierenden, maskenartigen Gesichter, die durch eine schrille, hellblaue Farbgebung hervorgehoben sind, geben sie als Kokotten zu erkennen. Die in spitzen Winkeln zackig auslaufenden Formen und die vorherrschenden Farben, das Schwarz, das Türkis des Kostüms, das Violett von Kopfbedeckung und Hosen des Freiers, vor allem aber das schwefelgelbe Licht, das sie umgibt, geben der Szene einen aggressiven Charakter. Vielsagend führt hinter der rechten Figur eine Phalanx von parallel gestreckten Männerbeinen in die Tiefe des ansonsten unbestimmten Raumes. Es ist dieses Element der Komposition, welches in dem Gemälde »Friedrichstraße« (1914, Staatsgalerie Stuttgart) wiederkehrt. Die energetisch aufgeladene Spannung aber ist im heftigen Duktus und der Intensität der Pastellfarben der Zeichnung unmittelbar eingelöst.
Der Blick des Künstlers auf die herausfordernde Erotik der großstädtischen Zivilisation unterscheidet sich wesentlich von der natürlich-sinnlichen Auffassung seiner in Dresden und auf Fehmarn entstandenen Werke. Nachdem sich die Gemeinschaft der »Brücke«-Künstler 1913 aufgelöst hatte und Kirchner durch seine Mitarbeit am »Sturm« in das Zentrum der expressionistischen Bewegung eingetreten war, prägt eine Zeichnung wie seine »Berliner Straßenszene« unser Bild von der Stimmung in der Metropole Berlin am Vorabend des Ersten Weltkriegs.
Das Pastell gehörte einst dem Sammler Carl Hagemann, der dem Künstler bis an sein Lebensende freundschaftlich verbunden war. Dank des »Vermächtnisses Dr. Carl Hagemann« verfügt die Graphische Sammlung über einen der bedeutendsten Bestände zur Kunst des Expressionismus.

Über die Schenkung

Die bedeutende Sammlung expressionistischer Kunst des Chemikers Carl Hagemann (1867–1940) entstand ab der Jahrhundertwende in engem Austausch mit den Künstlern – auch während deren Diffamierung im Nationalsozialismus. Nach Hagemanns Tod wurde seine Kollektion 1940 heimlich zusammen mit dem Städelbesitz kriegsbedingt ausgelagert. Zum Dank für diesen riskanten wie erfolgreichen Einsatz übergaben die Erben Hagemanns dem Städel in den 1940er-Jahren 935 Papierarbeiten. Es folgten über mehrere Jahrzehnte hinweg weitere großzügige Schenkungen.

Werkdaten

Basisdaten

Künstler
Ort
Zeitraum
Stilrichtung
Objektart
Äußere Beschreibung
Pastellkreiden und Kohle auf beigem geripptem Büttenpapier
Technik
Material
Später erfolgte Beschriftung
Verso Stempel des Städelschen Kunstinstituts, Frankfurt am Main (Lugt 2356)
Wasserzeichen
Nicht vorhanden

Eigentum und Erwerbung

Institution
Abteilung
Sammlung
Eigentümer
Städel Museum, Frankfurt am Main
Erwerbung
Erworben 1948 als Vermächtnis von Dr. Carl Hagemann an das Städelsche Kunstinstitut, Frankfurt am Main

Werkinhalt

Motive und Bezüge

Motivgattung
Motiv

IconClass

Primär
  • 61E(BERLIN) Berlin
  • 33C56 sich auf der Straße anbieten, Straßenstrich (Prostitution)
  • 33C52 Hure, Prostituierte
  • 31AA231(+72) stehende Figur - AA - weibliche Figur (+zwei Personen)
  • 33C86 Frauenheld, Schürzenjäger
  • 31A231 stehende Figur
Sekundär

Bezug zu anderen Werken

  • Alle
  • Assoziation
  • Motiv
  • Stimmung
  • Wirkung

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Letzter Import

24.08.2017