alea jacta, Paul Klee
Paul Klee
alea jacta
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Paul Klee 1879 – 1940

alea jacta, 1940


Maße
Blatt: 346 x 216 mm
Karton: 450 x 294 mm
Äußere Beschreibung
Kleisterfarben auf Büttenpapier, auf Karton montiert
Inventarnummer
16735 Z
Erwerbung
Erworben 1992 mit Mitteln der Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung für das Städelsche Kunstinstitut, Frankfurt am Main; Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.
Status
Kann im Studiensaal der Graphischen Sammlung vorgelegt werden (besondere Öffnungszeiten)

Texte

Über das Werk

Im März des Kriegsjahres 1940, drei Monate vor dem Tod des Künstlers, entstand »Die Würfel sind gefallen «. Wie stets verband Klee seine Zeichnung mit einem poetischen Titel. Das lateinische »alea jacta« erinnert an den von Sueton überlieferten Ausspruch Caesars beim Überschreiten des Rubikon, aber auch an das zurückblickende »Ich habs gewagt« des Humanisten Ulrich von Hutten, dessen Leben 1523 im Exil auf der Insel Ufenau im Zürichsee endete. Klee war 1933, nachdem ihm sein Lehramt an der Düsseldorfer Akademie durch die Nationalsozialisten entzogen worden war, in die Schweiz emigriert, wo er die letzten Schaffensjahre schwer erkrankt in seinem Berner Atelier verbrachte. Den nahenden Tod ahnend wählte er das ausdrucksstarke geflügelte Wort, um dem Gehalt seiner Zeichnung zu entsprechen. Mit einer intuitiv wirkenden und doch kalkuliert eingesetzten Formensprache gibt sie ihre schicksalhafte Dimension zu erkennen.
Klee offeriert seine bildhaften Metaphern auf einem deutlich ramponierten Büttenpapier, das er auf einen Karton montierte. Besonders in Anbetracht der Entstehungszeit um Ostern lässt »alea jacta« an die Zurschaustellung der Marterwerkzeuge Christi und des Schweißtuches der heiligen Veronika auf Schweizer Karfreitagsprozessionen denken. An möglichen gegenständlichen Assoziationen bieten sich dem Betrachter ein von oben gesehener Paukenschlag an, vielleicht aber auch ein noch schlagendes Uhrenpendel, eine Fahne oder ein Beil, der Blick auf ein Boot, das ferne Ufer verbindet, und schließlich nicht die sechs Augen eines Würfels, sondern irritierend neun geordnete Punkte, eine Zahl, die der Hierarchie der Engelchöre entspricht. Uneindeutig und eindrücklich sind die mit breitem Pinsel aufgetragenen schwarzen Zeichen, die zusammen mit den amorphen wundroten Farbflecken und dem mürbe wirkenden Papier eine Spannung entstehen lassen, durch die diese Zeichnung ihre besondere Kraft und Gültigkeit gewinnt.
Paul Klees Fähigkeit, die unterschiedlichen Facetten seiner Existenz gestalterisch zu durchdringen, gehört zu den charakteristischen Qualitäten seines Werks. In Form und Inhalt an Grenzen getrieben, berichtet diese späte Zeichnung vom Ende seiner Suche, den Weg zu sich selbst zu finden. Mit ihrer ursprünglich anmutenden Gestaltungsweise und zeichenhaften Bildsprache kann sie als Ausdruck der schöpferischen Urkräfte im Menschen gelesen werden. Das Interesse Klees für die Gestaltungen der Kinder und künstlerischer Außenseiter ist bekannt, doch sind seine Arbeiten, anders als beispielsweise jene des Schweizer Zeitgenossen Louis Soutter, durch ein nicht nachlassendes, kritisches Bewusstsein von der Kreativität des Individuums getragen.

Über die Schenkung

Das Frankfurter Unternehmerehepaar Dr. Kurt und Marga Möllgaard begann nach 1945 moderner Kunst zu sammeln. Ab 1964 schenkten sie Teile ihrer Kollektion an den Städelschen Museums-Verein. Kurt Möllgaard kommentierte sein Tun: „Wir haben damit bewusst eine Tradition fortgesetzt, die auch in besonderem Maße von jenen Frankfurtern gepflegt worden ist, die nach 1933 ihre Heimat verlassen mussten.“ 1987, nach dem Tod seiner Frau und seines Sohnes, gründete Kurt Möllgaard die Kurt und Marga Möllgaard-Stiftung. Sie ermöglichte seither weitere Kunstankäufe, überwiegend für die Graphische Sammlung.

Werkdaten

Basisdaten

Künstler
Zeitraum
Stilrichtung
Objektart
Äußere Beschreibung
Kleisterfarben auf Büttenpapier, auf Karton montiert
Technik
Material
Beschriftung zum Zeitpunkt der Herstellung
Signiert unten rechts (mit der Feder in Braun): Klee; datiert und bezeichnet auf dem Karton unten (mit Tinte): 1940 L 11 alea jacta
Später erfolgte Beschriftung
Verso unten links Stempel des Städelschen Kunstinstituts, Frankfurt am Main (Lugt 2356), mit zugehöriger Inventarnummer
Wasserzeichen
Nicht vorhanden
Werkverzeichnis
  • Klee XI.9290

Eigentum und Erwerbung

Institution
Abteilung
Sammlung
Eigentümer
Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.
Bildrechte
© Städel Museum
Erwerbung
Erworben 1992 mit Mitteln der Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung für das Städelsche Kunstinstitut, Frankfurt am Main; Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.

Werkinhalt

Motive und Bezüge

Motivgattung
Motiv
Assoziierte Personen und Institutionen

IconClass

Primär
  • 0 abstrakte, ungegenständliche Kunst
  • 49D36 Kreis (in der Planimetrie, Geometrie)
  • 49D33 Dreieck (in der Planimetrie, Geometrie)
  • 49D34 Viereck (in der Planimetrie, Geometrie)
  • 49D31 Punkt (in der Planimetrie, Geometrie)
  • 22C4(RED) Farben und Pigmente: Rot
  • 22C4(BLACK) Farben und Pigmente: Schwarz
  • 22C4(WHITE) Farben und Pigmente: Weiß
Level 4

Bezug zu anderen Werken

  • Alle
  • Assoziation
  • Motiv
  • Stimmung
  • Wirkung

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Letzter Import

21.09.2017