Zierhandschrift zu "Der heilige Antonius von Padua“, Wilhelm Busch
Wilhelm Busch
Zierhandschrift zu "Der heilige Antonius von Padua“
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Wilhelm Busch

Zierhandschrift zu "Der heilige Antonius von Padua“, 1871


Schuber
174 x max. 132 x 23 mm
Buchblock mit Einband
168 x 123 x 14 mm
Buchblock ohne Einband
164 x 122,5 x 8 mm
Material und Technik
Zeichnungen mit Feder in schwarzbrauner Sepiatusche, teils mit Pinsel in Rot, Blau und Gold koloriert, Schrift mit Feder in schwarzbrauner Sepiatusche, teils mit Pinsel in Rot oder Blau, auf 60 Blatt Vergépapier, gebunden in mit Pinsel in Rot und Schwarz bemaltem Pergamenteinband, in Pappschuber
Inventarnummer
15358
Objektnummer
15358 Z
Erwerbung
Erworben 1932 als Vermächtnis von Hugo Kessler
Status
Kann im Studiensaal der Graphischen Sammlung vorgelegt werden (besondere Öffnungszeiten)

Texte

Über das Werk

Bis heute ist Wilhelm Busch für seine humorvoll bis ironischen Bildergeschichten bekannt, allen voran für „Max und Moritz“, den beiden Lausbuben, die sich an ihren wohlausgesonnen Untaten erfreuen, bevor sie selbst auf bitterböse Weise ihre Strafe erhalten und ihr Ende finden. Dass Busch eine echte Doppelbegabung im Bereich der Kunst und der Dichtung war, belegen diese Bildergeschichten eindrücklich. Sie zeigen Busch aber auch als feinen Beobachter der grundmenschlichen Natur.

Der Frankfurter Mäzenin Johanna Kessler (1831–1915), mit der Wilhelm Busch zwischen 1868 und 1877 in engem Kontakt stand, verehrte er in tiefer Verbundenheit eine Reihe von Manuskripten, die in Vorbereitung der Bildergeschichten entstanden waren oder die er in mühevollem ‚Minnedienst‘ eigens schuf. Sie gelangten 1930/31 ins Städel Museum und geben Einblick in den Werkprozess des Künstlers. In der Regel entstand zunächst die Bilderfolge, die Busch mit freier, sicherer Hand auf größere Bogen Papier zeichnete. Ausgeschnitten und neumontiert schickte er sie, wie im Falle der Bilderfolge zur „Jobsiade“ (1871, Inv.-Nr. 15325-15357, Städel Museum) dann an den Verleger. Der gereimte Text kam hier erst später, aber auch sonst entstanden die Verse meist in einem zweiten Schritt. Die Bilderhandschriften zu „Pater Filucius“ (1872, Inv.-Nr. 15518-15559, Städel Museum), „Dideldum!“ (1873, Inv.-Nr. 15359-15416) und „Abenteuer eines Junggesellen“ (1875, Inv.-Nr. 15429-15517) zeigen im Vergleich dazu bereits Verse und Bilder. Sie nehmen in ihrer Anordnung zudem den späteren Satz vorweg. Für den Druck mussten die Bilder zuletzt als Holzstiche reproduziert werden. Busch wiederholte dafür die Bildvorlagen direkt auf den Druckstock, meist mit Bleistift, wobei er die Darstellung eigentlich spiegeln musste, damit sie im Druck seitenrichtig erscheint. Das Stechen übernahm dann ein professioneller Xylograph. Die Zierhandschriften zu „Hans Huckebein“ (um 1870, Inv.-Nr. 15560-15572, Städel Museum) und zu „Der heilige Antonius von Padua“ (1871, Inv.-Nr. 15358, Städel Museum) entstanden nach den Drucken als Gefälligkeit für die Gönnerin Johanna Kessler. In ihrer Gestaltung lehnen sie sich an mittelalterliche, illuminierte Handschriften an, eine Gestaltung, die für die den „Heiligen Antonius“ auch inhaltlich stimmig ist, die humorvolle Nacherzählung seiner Legende gleichzeitig aber um ein weiteres ironisch bricht.

Die Parodie auf den heiligen Antonius von Padua erschien 1870 bei dem Straßburger Verleger Moritz Schauenburg. Wegen „Herabwürdigung der Religion“ wurde das Buch kurz nach seinem Erscheinen in Deutschland zunächst verboten. Die erste Bilderhandschrift, die als Druckvorlage und Muster für die Buchgestaltung gedient hatte, schenkte Busch bereits 1870 der befreundeten Anna Johanna Burger (heute Wilhelm-Busch-Museum, Hannover). Erst 1871 fertigte er für Johanna Kessler die vorliegende, seine vielleicht aufwendigste Zierhandschrift. Allein für den Text benötigte er drei Wochen. Busch arbeitete dabei nach der gedruckten Vorlage, allerdings kleiner im Format, und passte Text und Bild verschiedentlich dem Charakter der illuminierten Handschrift an. Wie schon bei der Nachschöpfung von „Hans Huckebein“ zeichnete Busch dabei mit freier Hand, ohne Vorzeichnung, die einzelnen verdichteten Motive mit virtuosem Strich. ‒ Vgl. die Ausführungen von Hans Ries in: Wilhelm Busch. Die Bildergeschichten. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Hannover 2002, Bd. II, Sp. 894–1053, v.a. Sp. 995 und 1008–1012

Werkdaten

Basisdaten

Titel
Zierhandschrift zu "Der heilige Antonius von Padua“
Zeichner
Entstehungszeit
Objektart
Material und Technik
Zeichnungen mit Feder in schwarzbrauner Sepiatusche, teils mit Pinsel in Rot, Blau und Gold koloriert, Schrift mit Feder in schwarzbrauner Sepiatusche, teils mit Pinsel in Rot oder Blau, auf 60 Blatt Vergépapier, gebunden in mit Pinsel in Rot und Schwarz bemaltem Pergamenteinband, in Pappschuber
Material
Technik
Beschriftung zum Zeitpunkt der Entstehung
Betitelt und datiert auf dem Titelblatt (mit Feder und Pinsel in Schwarz und Rot): Der / heilige Antonius / von / Padua. / Frankfurt a. Main / 18.71.; signiert am Ende der Handschrift (Bl. 58) außerhalb des Linienrahmens: Wilhelm Busch inv. et fec.; Blattzählung jeweils rechts oben, durch den Buchbinderschnitt nur noch fragmentarisch erhalten
Nachträgliche Beschriftung
Blattzählung jeweils unten rechts mit Bleistift von „1“ bis „58“ (das zweite und letzte Blatt nicht mitgezählt)
Auf der Innenseite des Vorderdeckels unten Stempel des Städelschen Kunstinstituts (Lugt 2357), darüber die zughörige Inventarnummer sowie die Notiz „58 Blatt“; darunter Stempel: Vermächtnis Hugo Kessler
Wasserzeichen
  • Verschiedene Wasserzeichen
Werkverzeichnis
  • Ries "Der heilige Antonius von Padua" H2

Eigentum und Erwerbung

Institution
Abteilung
Sammlung
Creditline
Städel Museum, Frankfurt am Main
Bildrechte
Public Domain
Erwerbung
Erworben 1932 als Vermächtnis von Hugo Kessler

Forschung und Diskussion

Forschung

Beschreibung / Inhalt
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Konservierung und Restaurierung

Zu diesem Werk liegt ein kunsttechnologischer Befund bzw. eine Dokumentation zu Konservierung und Restaurierung vor. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an .

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Letzte Aktualisierung

14.03.2023