Lucretia, Hans Baldung Grien
Hans Baldung Grien
Lucretia
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Verwandte Werke

Hans Baldung Grien

Lucretia, 1520


Blatt
302 x max. 142 mm
Material und Technik
Feder in Dunkelbraun, graubraun laviert, weiß gehöht (mit der Feder und dem Pinsel), auf braun grundiertem Büttenpapier
Inventarnummer
649
Objektnummer
649 Z
Erwerbung
Alter Bestand der Sammlung des Städelschen Kunstinstituts, Frankfurt am Main, 1862 inventarisiert
Status
Kann im Studiensaal der Graphischen Sammlung vorgelegt werden (besondere Öffnungszeiten)

Texte

Über das Werk

In der Dürerzeit blühte in Deutschland die Kunst der »Helldunkel«-Zeichnung. Bei dieser Technik wird ein farbig getöntes Papier als »Mittelton« verwendet, von dem aus sich sowohl hell als auch dunkel gezeichnete Partien abheben. Dadurch entsteht ein besonderer, lichthaltiger Effekt, der plastisch, stofflich oder räumlich wirken kann. Hans Baldung, genannt Grien, der als junger Mann in Dürers Werkstatt gelernt hatte und dann der bestimmende Maler am Oberrhein in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde, war ein Meister dieses Verfahrens.

Das Schicksal der Lucretia ist dem Werk des Livius zur römischen Geschichte entnommen. Die Patriziertochter wurde von einem Verwandten vergewaltigt; um die eigene Ehre und die ihrer Familie wieder herzustellen, erstach sie sich vor den Augen ihres Gatten und ihres Vaters. In der Renaissance, in der die Lektüre der antiken Autoren zur gehobenen Bildung zählte, wurde das Beispiel der Lucretia zu einem beliebten Sinnbild für Keuschheit und eheliche Treue, wobei es sicherlich eine Rolle spielte, dass sich hier auch ein reizvoller erotischer Aspekt bot.

Baldung zeigt Lucretia als ganze Figur und frontal. Mit der Rechten sticht sie sich den Dolch unterhalb des Busens in den Körper, mit der Linken öffnet sie ihr Gewand und entblößt den entehrten Körper. Diesen hat der Künstler mit großer sinnlicher Raffinesse gestaltet; die dunklen und hellen zeichnerischen Partien lassen ihn jung und schimmernd erscheinen, ein Eindruck, der durch die virtuos geschaffene Raumwirkung zwischen Beinen und Gewand noch gesteigert wird. Indem der elegante Stand der Beine durch die Bewegung von Kopf und linkem Arm bereits leicht aus der Balance kommt, werden Darbietung und Entziehung des Körpers zugleich angedeutet. Eine meisterliche Helldunkelzeichnung dieser Art ist mit großer Wahrscheinlichkeit als autonomes Kunstwerk für ein gebildetes und kunstinteressiertes städtisches Publikum entstanden.

Werkdaten

Basisdaten

Titel
Lucretia
Zeichner
Entstehungszeit
Stilrichtung
Objektart
Material und Technik
Feder in Dunkelbraun, graubraun laviert, weiß gehöht (mit der Feder und dem Pinsel), auf braun grundiertem Büttenpapier
Material
Technik
Geografische Einordnung
Entstehungsgrund
Beschriftung zum Zeitpunkt der Entstehung
Monogrammiert und datiert unten mittig: HGB [ligiert] 1520
Nachträgliche Beschriftung
Verso Stempel des Städelschen Kunstinstituts, Frankfurt am Main (Lugt 2356)
Wasserzeichen
  • Nicht vorhanden
Werkverzeichnis
  • Koch 1941.135.117

Eigentum und Erwerbung

Institution
Abteilung
Sammlung
Eigentümer
Städel Museum, Frankfurt am Main
Bildrechte
© Städel Museum, Foto: U. Edelmann
Erwerbung
Alter Bestand der Sammlung des Städelschen Kunstinstituts, Frankfurt am Main, 1862 inventarisiert

Werkinhalt

Motive und Bezüge

Motivgattung
Motiv
Dargestellte Personen
Assoziierte Personen und Institutionen
Literarische Quelle
  • Titus Livius: Ab urbe condita, 1,57-60
  • Ovid: Fasti, 2, 685-855
Assoziierte Quelle
  • Livius: Ab urbe condita
  • Publius Ovidius Naso: Fasti II

Iconclass

Primär
  • 98C(LUCRETIA) die Geschichte von Lucretia
  • 31AA231(+1) stehende Figur - AA - weibliche Figur (+Vorderansicht)
  • 41D92 eine Frau zeigt sich unbekleidet, (fast) nackt
  • 31E238 den Tod suchen, Selbstmord, Freitod
Sekundär
Assoziativ
  • 98B(SEXTUS TARQUINIUS)4(+9) Sextus Tarquinius - aggressive Beziehungen einer Person der klassisch-antiken Geschichte (+zur römischen Geschichte gehörend)

Mehr zu entdecken

Kontakt

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Letzter Import

03.05.2018