Le violiniste au chien, Jean Dubuffet
Jean Dubuffet
Le violiniste au chien
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Externe verwandte Werke

Teil derselben Werkgruppe

Jean Dubuffet: Terres radieuses / Strahlende Erden, Zeichnungen, 32-teilige Folge

Jean Dubuffet

Le violiniste au chien, Juli 1952 – Oktober 1952


Blatt
455 x 645 mm
Material und Technik
Rohrfeder und Pinsel in Schwarz auf Velinkarton
Inventarnummer
SG 3356
Objektnummer
SG 3356 Z
Erwerbung
Erworben 1981
Status
Ausgestellt, Graphische Sammlung Ausstellungshalle

Texte

Über das Werk

Auf den ersten Blick sind der im Titel genannte Violinspieler und die ihm zugewandte Gestalt eines Hundes im lockeren Liniengespinst dieser Zeichnung kaum zu entdecken. Doch löst sich das anrührende Paar an zentraler Position aus seiner Umgebung. In freiem Duktus führte der Künstler teilweise parallel gehaltene Rohrfedern über das Blatt und brachte so seine Linien gleichsam disharmonisch zum Klingen. Dieser beschwingt undefinierte, flächenbezogene Raum bildet den hellen Vordergrund. Er bietet noch weiteren vorstellbaren Gestalten Platz, doch nur Musikant und Tier sind in den andersartigen oberen Bereich der Zeichnung eingebunden. Ihn baute der Künstler mit dem Tuschpinsel aus eng gedrängten Zellformen auf, die er mit dunklen Binnenfeldern versah. Kontrastierend zu der vorn herrschenden Idylle wirkt dieser fest gefügte Hintergrund wie der Plan einer dicht besiedelten Großstadt.

Jean Dubuffet, der sich erst im Alter von 41 Jahren endgültig der Malerei zuwandte, arbeitete von Beginn an jenseits gängiger inhaltlicher und ästhetischer Normen. Wegweisend waren für ihn die Werke unangepasster, künstlerischer Außenseiter, die er selbst sammelte und für die er den Begriff der »Art brut« prägte. Die Originalität seiner trivial und zugleich human anmutenden Auffassung der menschlichen Figur und seine rauhe Malweise stießen in der Nachkriegszeit in Amerika, wo seine Werke seit 1946 durch Ausstellungen in der New Yorker Pierre Matisse Gallery bekannt gemacht wurden, auf großes Interesse. Aus Paris, dem tonangebenden Zentrum der Kunst jener Zeit kommend, arbeitete Dubuffet vom November 1951 bis zum April 1952 für mehrere Monate in New York. Hier begegnete er auch Jackson Pollock, der mit seiner »Dripping«-Technik Furore machte.

Die gegenseitige Aufmerksamkeit für ihre unkonventionellen künstlerischen Bildsprachen zeigt sich bei Dubuffet sogleich in einer Reihe von gezeichneten Figuren, mit denen er die Clochards der New Yorker Bowery in seine Themenwelt aufnahm. Diese »Bowery Bums« überraschen allerdings weniger durch das im Stadtbild wahrgenommene Motiv als durch den adäquat lebhaften, flüchtigen Duktus der Federzeichnungen. Nach seiner Rückkehr aus Amerika arbeitete der Künstler zwischen Juni und Oktober 1952 an den sogenannten »Terres radieuses / Strahlenden Erden«, einer Gruppe aus 32 Zeichnungen, zu denen auch der »Violoniste au chien« gehört. Das Linienspiel und das Ausufernde dieser imaginierten Landschaften gleicht einer Antwort des Europäers Dubuffet auf das »all-over«-Prinzip des Amerikaners Pollock.

Werkdaten

Basisdaten

Titel
Le violiniste au chien
Zeichner
Entstehungsort
Entstehungszeit
Objektart
Material und Technik
Rohrfeder und Pinsel in Schwarz auf Velinkarton
Material
Technik
Geografische Einordnung
Entstehungsgrund
Beschriftung zum Zeitpunkt der Entstehung
Signiert und datiert unten rechts (mit der Feder in Schwarz): J. Dubuffet / juillet / /octobre // 52
Nachträgliche Beschriftung
Verso Stempel der Städtischen Galerie, Frankfurt am Main (Lugt 2371c)
Wasserzeichen
  • Nicht geprüft

Eigentum und Erwerbung

Institution
Abteilung
Sammlung
Creditline
Städel Museum, Frankfurt am Main
Bildrechte
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Erwerbung
Erworben 1981

Werkinhalt

Iconclass

Primär
  • 0 abstrakte, ungegenständliche Kunst
  • 49D32 Linie (in der Planimetrie, Geometrie)
  • 48C7521 eine Person spielt ein Streichinstrument
  • 48C7311 Violine, Geige, Fiedel
  • 34B11 Hund
  • 22C4(BLACK) Farben und Pigmente: Schwarz

Forschung und Diskussion

Provenienz

Objektgeschichte
...
Kunsthandel, Paris
Verkauf an die Stadt Frankfurt am Main, 1981.

Informationen

Seit 2001 erforscht das Städel Museum systematisch die Herkunft aller Objekte, die während der NS-Zeit erworben wurden bzw. in diesem Zeitraum den Besitzer wechselten oder gewechselt haben könnten. Grundlage für diese Forschung bildet die 1998 auf der „Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust“ in Washington formulierte „Washingtoner Erklärung“ sowie die daran anschließende „Gemeinsame Erklärung“ von 1999.

Die Provenienzangaben basieren auf den zum Zeitpunkt ihrer digitalen Veröffentlichung ausgeforschten Quellen. Sie können sich jedoch durch neue Quellenfunde ändern. Daher wird die Provenienzforschung kontinuierlich durchgeführt und in regelmäßigen Abständen aktualisiert.

Die Provenienzangabe eines Objekts dokumentiert im Idealfall dessen Herkunft vom Zeitpunkt seiner Entstehung bis zu seinem Eingang in die Sammlung. Sie enthält – sofern bekannt – die folgenden Informationen:

  • Art der Erwerbung bzw. Art des Besitzerwechsels
  • Name und Wohnort des Besitzers
  • Datum des Besitzerwechsels

Die aufeinanderfolgenden Besitzvorgänge werden jeweils durch einen Absatz voneinander getrennt.

Lücken in der Überlieferung einer Provenienz werden durch den Platzhalter „ …“ dargestellt. Ungesicherte Informationen sind in eckige Klammern gesetzt.

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Letzte Aktualisierung

25.11.2021